Views: 65
Ein Versuch hier mal technische Dinge zu posten.
Es gab ien einem der letzten Clubabend die Frage, warum bei den V4 Motoren so viele Wasserpumpen kollabieren.
Meine Meinung ist: die Wasserpumpe ist nicht das Problem! Sie das letzte Glied mehrerer Probleme und nicht die Ursache. Nach dem, was man so hört, ist immer der Simmering der Wasserpumpe, eben jener, der „aufgibt“ . . . das heißt: Druck zu hoch und/oder die Auslöseschwelle des Kühlwasser-Thermostat ist zu hoch gesetzt.
Wird das Kühlwasser bei der Fahrt mit hoher Performance zu warm, steigt der Druck – automatisch. Wird der Druck zu hoch, muß das Thermostat den Bypass aufmachen und den Druck ins Ausgleichgefäß ablassen. Und das passiert eben nicht – vorher gibt der Simmering der Wasserpumpe den Geist auf.
#1 Das „Silent Killer“ Bauteil: Der Kühlerdeckel
Fazit: Die Wasserpumpe der V4 ist nicht das Problem, sie ist das Opfer. Ein hängendes oder zu strammes Überdruckventil im Kühlerdeckel verwandelt das Kühlsystem nach dem Abstellen in einen Schnellkochtopf. Da der Simmerring das schwächste Glied in der Kette ist, gibt er nach, bevor der Deckel den Überdruck in den Ausgleichsbehälter entlässt.
Prävention ist beim V4-Motor definitiv günstiger als die Reparatur (oder ein versauter Urlaub).
# 2 Der Kühlerdeckel-Check:
Der Original-Deckel soll bei einem bestimmten Druck öffnen.
Problem: Serienstreuung! Viele Deckel öffnen erst bei >0,2 . . . >0,3 bar über dem Nenndruck. Dieser Überdruck drückt das Kühlmittel durch die Simmerringe der Pumpe statt in den Ausgleichsbehälter.
# 3 Lösung: Tausch gegen einen Präzisions-Deckel (z.B. Drittanbieter, Präzisions-Deckel) verwenden.
– EVOTECH Performance. Bieten oft Deckel-Kits an, die mechanisch weniger zum „Verklemmen“ neigen
Empfehlung: Der originale Ducati-Deckel (oft von Zulieferern wie Eni oder Paoli) ist bei den V4 Panigale oder SF-4 auf einen Nenndruck von 1.6 bar ausgelegt – taugt aber nichts.
Die Toleranz-Falle: Messungen in der Rennsport-Szene zeigen, dass Serien-Deckel oft erst bei 1.7 bis 1.9 bar öffnen.
Die Folge: Dieser zusätzliche Druck von 0.3 bar klingt wenig, ist aber oft genau die Grenze, die die Lippe des Simmerrings (Wellendichtring) der Wasserpumpe zum Kollabieren bringt.
Kühlerdeckel gefräst 1,2 bar Ducati V4: Special Components . . . Febur Wasserkühler Kit Street für Ducati Panigale gibt’s bei:
TGP MotoRacing, Am Bach 4 in 85659 Forstern – da werdet ihr was finden . . . auch den richtig guten Deckel.
Dazu ein Hinweis: die Kühlerdeckel für Ducati Streetfighter SF-4 und Panigale 1299S sind Original:
Kühlerdeckel: SF-4: 89310241A >>> 1,6 bar
Kühlerdeckel: 1299S: 87240881AA >>> 1,2 bar
Nun ist das Rätsel in soweit gelöst . . . warum bei der SF4 und V4 Panigale die Simmerringe an der Wasserpumpe
ständig „platzen“ . . . 1,6 bar + sind offensichtlich zu viel.
Kühlerdeckel: 1299S >> 1,2 bar. Wenn bei der Panigale 1299S 1,2 bar genügen, dann genügen die auch bei der SF4 und V4 Panigale – die 1299’er ist ja absolut kein Low Performer Luser.
# 4 Kühlmittel
Hinweis: Das Mischungsverhältnis ist nach Handbuch 100%, also unverdünnt einzufüllen
Das ist jetzt ein extrem wichtiger Punkt (!) bei dem wir präzise sein müssen, da die Streetfighter V4 hier eine Besonderheit aufweist.
Wenn das Handbuch explizit die Verwendung von 100% unverdünntem Kühlmittel vorschreibt, handelt es sich höchstwahrscheinlich um eine „Ready-to-use“ (RTU) Mischung, die bereits ab Werk vom Hersteller (in diesem Fall Eni/Agip) auf das richtige Verhältnis eingestellt wurde. Aber: gilt für Kühlerdeckel: SF-4: 89310241A >>> 1,6 bar
# 5 Warum das „Konzentrat“ verwirrend ist
Es gibt bei Eni zwei Varianten des Antifreeze Spezial 12++: Eni Antifreeze Spezial 12++ (Concentrate): Dieses „Concentrate“ muss zwingend mit Wasser gemischt werden. Pur gefüllt, würde es die Wärme nicht schnell genug abtransportieren, was bei einem V4-Motor fatale Folgen hätte.
Eni Antifreeze Spezial 12++ (Ready to use): Dies ist eine vor gemischte Flüssigkeit. Wenn dein Handbuch „100%“ sagt, meint es: „Fülle das Produkt so ein, wie es aus der Flasche kommt, ohne selbst Wasser hinzuzufügen“
Hinweis: Was wir hier in der Abbildung unten sehen, ist das Konzentrat !!
Auf der Rückseite der Flasche ist die Tabelle mit den Mischungsverhältnissen aufgedruckt:
50% Antifreeze Spezial 12++ bietet Schutz bis -40°C u.s.w.
Die „100%“ Falle im Handbuch !!
Wenn dein Ducati-Handbuch sagt, du sollst „100%“ einfüllen, bezieht sich das auf eine fertige 50/50 Mischung (Ready-to use).
Füllst du dein vorliegendes Produkt zu 100% unverdünnt ein, hast du folgende Probleme:
Schlechte Wärmeleitung: Pures Ethylenglykol leitet Wärme deutlich schlechter als Wasser. Dein V4-Motor würde im Sommer wesentlich heißer laufen als vorgesehen.
Empfehlung für deine SF-V4. Um die Spezifikation deines Handbuchs mit diesem Konzentrat korrekt zu erfüllen, musst du es mischen. Da die V4 thermisch extrem empfindlich ist, solltest du auf das 50/50 Verhältnis setzen, besser ist aber 60/40 – später mehr dazu.
Mischung: 500ml Eni Antifreeze Spezial 12++ auf 500ml destilliertes Wasser.
Resultat: Du erhältst genau die Flüssigkeit, die Ducati als „vorgemischt“ ab Werk einfüllt.
Siedepunkt: Wie besprochen, liegt dieser dann bei den massiven 1,6 bar Systemdruck deiner Ducati bei ca. 135°C bis 138°C.
# 6 Kühlerdeckel: 1299S: 87240881AA >>> 1,2 bar
Ich komme nochmal zurück auf: Konzentrat Eni AGIP Antifreeze Spezial12++. Verwendung in der Ducati SF-4 im Wasserkühler.
Eni Antifreeze Spezial 12++ Ready to use (RTU) Mischungsverhältnis: (Concentrate) = 50/50 Verhältnis.
Siedepunkt im Ducati-System: bei ca. 135°C – 138°C – 1,6 bar Überdruck
Pures Ethylenglykol leitet Wärme deutlich schlechter als Wasser, erhöht aber den Siedepunkt – deshalb die Mischung 50/50
Beim Wechsel auf den 1,2 bar Deckel der 1299’er ändert sich der Siedepunkt aber bei 1,2 bar auf ca. 126°C – 128°C (statt ~138°C bei 1,6 bar).
Das Mischungsverhältnis ist aber bei der Ready to use Mischung immer noch 50/50.
Dies ist ja nun gar nicht mehr nötig, da ich man den Anteil destilliertes Wasser nun erhöhen kann, bis man bei dem Siedepunkt bei 1,2 bar bei ca. 126°C – 128°C
den besten Wärmeübergang der Mischung hat.
1. Wärmeleitfähigkeit vs. Siedepunkt
Wasser hat eine spezifische Wärmekapazität von ca. 4,18 kJ/(kg*K), während Ethylenglykol nur etwa 2,4 kJ/(kg*K) hat. Eine 50/50-Mischung liegt irgendwo bei 3,3 – 3,5 kJ/(kg*K). Wenn man den Wasseranteil auf 60/40 (Wasser/Glykol) verschiebt, erhöht man die Fähigkeit des Mediums, Hitze vom Zylinderkopf abzuführen und am Kühler wieder abzugeben. Da mit Wasser am meisten Energie übertragen werden kann, müßte, für die optimale Wärmeabgabe das Mischungsverhältnis z.B. 60/40 Wasser/Eni Antifreeze Spezial 12 am besten wirken. Weil: Gefrierschutz ist absolute Nebensache . . .
# 7 Kein „Kaltstart“ für das Kühlsystem: füllt niemals normales Leitungswasser nach! Nutzt ausschließlich das vorgeschriebene Agip Permanent Spezial +12 (60/40). So bleibt der Siedepunkt stabil bei ca. 126°C – 128°C (mit einem 1,2 bar Deckel). Wasser senkt die Temperatur soweit, daß auch bei Lastspitzen diese 126°C – 128°C nicht erreicht werden – man muß da schon viel verkehrt machen. Und eine Temperaturanzeige gibt es im Display ja auch noch . . .
# 8 Thermal Management (das „Auslaufen“):
Stellt den V4-Motor nach einer harten Passfahrt oder bei großer Hitze niemals (!) sofort ab.
Lasst den Motor im Stand noch 1–2 Minuten laufen, bis die Lüfter die Temperatur merklich gesenkt haben. Ohne elektrische Nachlaufpumpe steht sonst das Wasser im Block, die Hitze staut sich („Heat Soak“), und der Druck schießt ohne Fahrtwind in die Höhe.
# 9 Die Sickerbohrung am Wasserpumpengehäuse beobachten:
Prüft regelmäßig das kleine Loch (Weep Hole) am Wasserpumpengehäuse. Ein leichter „Nebel“ ist laut Handbuch tolerierbar, aber sobald Tropfen hängen, ist der Simmerring durch Überdruck bereits vorgeschädigt.
# 10 Empfehlung: Kühlerdeckel alle 2 Jahre prüfen oder präventiv zu tauschen.
Den Deckel in heißem Wasser säubern (Kalkablagerungen an der Dichtung und Feder entfernen).
Die Dichtfläche am Ausgleichsbehälter auf Grate kontrollieren – wenn der Deckel dort nicht plan aufliegt, steigt der Gegendruck punktuell.
# 11 Präventiv-Spülung
Jungs, die Werkstatt macht einen Kühlwasserwechsel nach Plan erst nach 4 Jahren / 48 Monaten /nach Handbuch).
Da ist die Wasserpumpe bei unseren „Heißläufern“ oft schon kurz vor dem Exitus. Wer sein Bike länger fahren will, als bis zum nächsten Modellwechsel, sollte alle 2 Jahre (!) die 30 € für neues Kühlmittel und destilliertes Wasser investieren.
Es ist die billigste Versicherung gegen einen 900 €+ Wasserpumpenschaden
Welche Maßnahmen bleiben?
Wasserpumpe austauschen sicher ned, wie viele Beispiele zeigen. Es gibt SF-4 User, die haben schon 4x die Pumpe getauscht . . . 4x das Selbe tun und auf ein anderes Ergebnis hoffen? ned clever. Also . . .
Ich denke folgende Maßnahmen sind möglich:
- Kühlwasser ggf. vorsorglich ersetzten durch das von Ducati vorgeschriebene Frostschutzmittel.
- Kühlwasser mit zu viel oder dem falschen Frostschutz hat einen ordentlich falschen Wärmeübergang, als „normales“ Wasser. Auch zuviel Frostschutzmittel schadet!
- Ducati schreibt z.B. im Handbuch von der 1299’er Panigale und der StreetFighter V4 vor: Eni Antifreeze Spezial 12++ Ready to use (RTU).
- siehe hierzu Datenblatt [ Click here ]
- Präzisions-Deckel) verwenden und/oder auf den 1,2 bar der 1299’er umsteigen.
>>> Kühlflüssigkeit Frostschutz Konzentrat (!) -50°C (4L) Eni AGIP Antifreeze Spezial:
Preis: 4L: 43,98€ (Amazon)
Farbe: Violett; Siedepunkt: 173°C bei Mischungsverhältnis: 100%

- Kühlwasserzusätze, welche die Kühlwassertemperatur herunter setzen: Gibt es mit einer Wirkung bis zu 4 – 5 °C weniger. Ist aber nicht zu empfehlen . . . es besteht die Gefahr, daß das Kühlwassergemisch verschlammt.
- Alu-Kühler, also zusätzlichen Kühler-Kit’s für die Kühlwasserschläuche. Diese können zusätzlich Wärme nach außen abgegeben werden, wodurch die Kühlwassertemperatur um ca. 4-5 °C gesenkt wird – speziell in dem Kreislauf, wo der Druck entsteht. Link’s siehe unten . . . Ob diese Herstellerangabe stimmt, wage ich zu bezweifeln, weil die Druckspitzen ja nach dem Abstellen offenbar entstehen, wenn die Wasserpumpe eben nicht mehr läuft.
- Kühlwasserthermostat tauschen . . . es gibt offenbar große Streuungen in der Serie – also die 1,2 bar Type von der 1299’er nehmen . . . 👍👍
- Es gibt auch einen Elektro-Wasserpumpen-Kit zum Nachrüsten – Link siehe unten.
- Ich habe die beiden Plastik-Dinger an den hinteren Zylinderseiten entfernt – die Temperatur ist gleich signifikant gesunken (an den Schenkeln eher nicht . . . )
- Link Elektro-Wasserpumpen-Kit zum Nachrüsten. Schaut mal das Video an . . . https://www.youtube.com/watch?v=36fZa5G2Ovo
Hierzu folgender Link [ Click hier ] und ItaloBike [ Click hier ]
Sag uns Deine Erfahrungen oder Kenntnisse . . .
Entdecke die Möglichkeiten, sich zu treffen, gemeinsame Ausfahrten zu organisieren und solche Probleme zu bequatschen.
Gib ein Feedback, wenn Du eine Anregung zum Thema hast:
